Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.
Konfuzius
Das letzte Jahr war sehr ereignisreich, Baron wächst immer noch schubweise, deshalb haken auch immer wieder phasenweise die Knie aufgrund zu langer Kniebänder, was aber wachstumsbedingt ist und sich durch Muskelaufbau korrigieren lässt.
Unsere Sattelodyssee war in diesem Jahr wohl auf seinem Höhepunkt, Baron hat einen sehr guten Rücken, viel Grundmuskulatur, aber sein Rücken weist einige Besonderheiten auf, die ein Stangensattel niemals "bewältigen" kann. Atrophierte Muskulatur sind für mich ein No-go, hier steht die Gesundheit des Pferdes für mich an erster Stelle. Immer mehr kristallisiert sich heraus, grundsätzlich muss der Sattel zum Pferd passen, aber das Um und Auf ist der fähige Sattler, der vor Ort mit viel Gefühl und Fachwissen polstert und den Sattel anpasst. Ich habe diesen Sattler in Dietmar Kulczycki von Königpferd.at gefunden. Durch seine zusätzliche Ausbildung als Tierarzt und mit guten reiterlichen Kenntnissen deckt er all unsere Bedürfnisse ab.
Damit hoffe ich, dass das Thema Sattel für uns endlich abgeschlossen ist.
Baron hat sich körperlich, aber vor allem mental weiterentwickelt, er ruht mehr in sich selbst, auch wenn er immer den Clown spielen wird, die Welt ist zu aufregend. Aber die Arbeit gibt ihm Vertrauen und Sicherheit und ich merke einfach, wie viel Spaß ihm das tägliche Training macht.
Das Einrollen haben wir durch ein gutes Vorwärts gut korrigieren können, nur am hingegebenen Zügel war ich zu inkonsequent, da ist noch ab und an eine Korrektur notwendig, da er hier gerne abknickt und es sich "leicht" macht. Aber sobald ich dieses Thema konsequent angehe, dehnt er sich am hingegebenen Zügel bei offenem Kehlwinkel nach vorne, Nasenlinie weit vor der Senkrechten, vom Hals her nicht tiefer als Buggelenk.
Mir ist in einem korrekten Vorwärts-Abwärts, das ich immer wieder im Wechsel zur Arbeitshaltung fordere, ein Spannungsbogen von der Hinterhand über den Rücken bis zum Hals/Kopf wichtig, der Hals darf nicht im Widerrist einfach abbrechen, nur ein tiefer Kopf ist kein korrektes v/a. Durch diesen Spannungsbogen bin ich für das Pferd "tragbar".
Mit den Seitengängen im Schritt arbeite ich an der Geraderichtung von Baron. Er hängt aufgrund der natürlichen Schiefe auf der linken Schulter, seine feste Seite ist also links, auf der rechten Hand ist er hohl, bricht gerne über die linke Schulter nach aussen aus und überbiegt im Hals. Grund für die Festigkeit auf der linken Seite ist die verminderte Dehnfähigkeit der äußeren - rechten Körperhälfte. Alle Übungen, die dies verbessern, helfen uns.
Im Schulterherein links verlange ich weniger Abstellung, dafür aber viel Biegung. Wobei ich darauf achte, die Halsbiegung der Körperbiegung anzupassen, nicht den Hals zu überbiegen. Im Schulterherein rechts verlange ich mehr Abstellung, dafür weniger Biegung, Hals fast gerade, da er auf dieser Hand aufgrund der natürlichen Schiefe sowieso gerne ausweichen würde.
Immer wieder zwischen diesen sehr anstrengenden Übungen abstrecken lassen, dies muss nicht lange dauern, aber somit beuge ich einer Übersäuerung der Muskulatur vor. Und für die Motivation des Pferdes ist es auch sehr hilfreich.
Travers wird von Baron schon sehr routiniert ausgeführt, er biegt sich schön um den inneren Schenkel, ist am äußeren Zügel,der innere Zügel ist weich und fast "unnötig".
Übergänge sind für mich eine Freude zu reiten, durch seine Kraft in der Hinterhand meistert er zB einen Übergang aus dem Rückwärts in den Trab mit Leichtigkeit. Auch aus dem Stand angaloppieren fällt ihm leicht.
Generell liegt sein Talent in den versammelnden Übungen, das kommt seinem Körperbau und seinem Charakter entgegen, aber er klemmt danach auch gerne, vor allem psychisch, da er voller Freude auf die Lektionen hinfiebert.
Hier ist ein frisches Vorwärts am längeren Zügel sehr wichtig, damit er sich im Rücken wieder löst. Ein Pferd muss sowohl Schub- als auch Tragkraft zeigen bzw. vom Reiter muss beides immer abrufbar sein. Sonst war die Vorarbeit nicht reell.
Für die nächsten Wochen haben wir ein anspruchsvolles Programm (Training 5 x/Woche inkl. Gelände):
Seitengänge im Schritt konsequent in Takt und Losgelassenheit, vor allem im freien Raum, von der Bande weg; Schenkelweichen an der Bande im Fluss, über die Diagonale;
Beginn Traversale
Beginn Schulterherein und Travers im Trab
Übergänge innerhalb und von einer Gangart zur nächsten/Halbe Paraden über den Sitz
Freies Galoppieren am hingegebenen Zügel, auch Übergänge Galopp-Trab und Galopp-Schritt
Das Hauptziel ist für mich, das Pferd konstant vor den Schenkel und an das Gebiss zu bekommen!
Mein Pferd bietet sehr viel von selbst an, die Verantwortung liegt beim Reiter, hier mit Selbstdisziplin nicht alles immer sofort anzunehmen. Gerade ein Pferd wie Baron, das sich durch seinen Eifer und seinen übergroßen Willen zur Mitarbeit sehr leicht selbst unter Stress setzt, ist es wichtig, ihm durch Routine und konsequente Arbeit Vertrauen zu geben. Würde ich Baron zu schnell vor allem in versammelnden und versammelten Lektionen ausbilden, wäre er körperlich dazu in der Lage, auch die Kraft in der Hinterhand ist vorhanden, aber mental wäre er definitiv überfordert. Deshalb arbeite ich ihn altersgerecht und nehme versammelnde Bewegungsabfolgen spielerisch an der Hand gerne an, erhält es doch die Motivation, aber die Basics und immer wieder die Basics geben solchen Pferden psychische Sicherheit.
Unmerklich führe ich Baron im täglichen Training an seine Leistungsgrenze und somit sind Fortschritte stressfrei möglich.
Diesen Arbeitseifer gilt es zu erhalten, er wird mir in Zukunft noch mehr Freude bereiten. Aber die Zeit gibt das Pferd vor. Ich bin mehr als zufrieden mit dem derzeitigen Ausbildungsstand von Baron.