Quelle: Pindar
Das sechste Ausbildungsjahr hat begonnen und dem ist ein Winter vorausgegangen, in dem ich Baron erstmals durchgehend unter dem Sattel arbeiten konnte, da wir endlich einen sehr gut passenden Sattel haben.
Baron wird dieses Jahr schon acht Jahre alt, wie die Zeit vergeht. Aus dem doch eher zarten Junghengst ist ein richtiger Brocken von Wallach mit sehr guter Muskulatur und einer starken Hinderhand geworden.
Besonders mental ist mein Pferd gereift, jeden Tag erwartet er mich in seiner Herde und ist mit Eifer bei der Sache, fleißig und belastbar. Die schonende Ausbildung in den ersten Jahren bekomme ich nun hundertfach in Form eines leistungsstarken Pferdes zurück. Sowohl körperlich als auch psychisch. Das Vertrauen zwischen uns ist gefestigt und äußere Reize lenken ihn lange nicht mehr so ab wie noch vor einigen Jahren. Die Rittigkeit, die sich aus der Ausbildung ergibt, trägt hier Früchte.
Er wird weiterhin 5 - 6 Tage pro Woche gearbeitet, davon ist ein Tag für Geländetraining und ein Tag für eine Longiereinheit bzw. bei Bedarf für Arbeit an der Hand reserviert.
Die Arbeit an der Hand und auch das Longieren am Kappzaum (ich longiere intensiv mit vielen Übergängen über Stangen) sind im letzten Jahr etwas in den Hintergrund gerückt, da ich die meiste Zeit im Sattel sitze. Lange Zeit waren wir auf einer nicht enden wollenden Sattelsuche, hier musste ich viel vom Boden aus arbeiten. Aber auch jetzt nutze ich das Longieren oder die Arbeit an der Hand als Überprüfung. Ich beobachte eine bemerkenswert positive Veränderung in der Qualität der Gangarten.
An der Hand habe ich vor einigen Monaten mit Halben Tritten begonnen. Ich habe mich dazu entschieden, vorerst auf der hohlen Seite meines Pferdes (rechte Hand) damit zu beginnen, mittlerweile zeigt er schon eine gute Technik und ist mit Motivation bei der Sache. Wobei ich diese Lektion noch nicht regelmäßig übe. Ein Intensivtraining im Sommer bei meinem Trainer soll mir hier weiterhelfen, da mir in diesem Punkt die praktische Erfahrung fehlt. Da ich immer wieder gezappeltes Diagonalisieren oder sehr vorhandlastige Halbe Tritte als Piaffe tituliert sehe, habe ich mich lange Zeit gegen ein Anpiaffieren "gewehrt", zuerst muss eine grundsolide Ausbildung als Ausgangspunkt einer Lastaufnahme der Hinterhand vorangehen. Mein Trainer hat mich ermutigt, da mein Pferd mit acht Jahren reif genug ist und sich anbietet. Aber ich werde die Arbeit in den Halben Tritten weiterhin kritisch hinterfragen, ich bin gespannt, wie es sich entwickelt.
Mittlerweile arbeite ich am Beginn einer Reiteinheit viel im Schritt, das Klemmen ist Vergangenheit und die Seitengänge sind fester Bestandteil der Lösungsphase, wobei es ja nach Tagesverfassung meines Pferdes und mir auch variiert. An Tagen, an denen das Vorwärts auf den Schenkelimpuls nicht wie gewohnt "installiert" ist, arbeite ich vermehrt daran. Generell nutze ich gerne die Seitengänge, aber nie um ihrer selbst willen. Je nach der aktuellen Ausprägung der natürlichen Schiefe verwende ich die Seitengänge als Werkzeug, mein Pferde geradezurichten oder ich baue eine Übungsabfolge auf, damit ich das einzelne Hinterbein schneller, flinker, mehr zum Schwerpunkt tretend, aktivieren kann.
Ganz besonderes Augenmerk lege ich auf Übergänge. Ein korrekt gerittener Übergang zeigt für mich mehr als viele andere Lektionen. Hier muss einfach die Vorbereitung stimmen, sonst "hakt" es. Wobei die Übergänge in die höhere Gangart bei uns schon eine sehr gute Qualität aufweisen, mit aktiver Hinterhand und über den Rücken ausgeführt. 2010 möchte ich die Übergänge in eine niedrigere Gangart noch optimieren, vor allem an meinem Sitz arbeiten und ebenso die Übergänge innerhalb einer Gangart sind für mich Mittel zum Zweck. Besonders das Zulegen im Trab und Galopp nutze ich gerne in der Lösephase.
Der Aufbau einer Trainingseinheit besteht großteils aus Trab- und Galopparbeit, wobei Baron sich alle paar Minuten am hingegebenem Zügel abstrecken darf. Die Muskulatur hat somit Zeit, sich wieder zu strecken und für das Pferd sind solche Pausen sehr motivierend. Auch entlasse ich Baron innerhalb der Arbeitsphase aus der Arbeisthaltung öfter in ein Vorwärts-Abwärts, um ihn dann wieder aufzunehmen.
Seitengänge im Trab stehen auf dem Trainingsplan, hier hakt es aber eindeutig an mir. Natürlich würde Baron Seitengänge eim Trab schon laufen, aber ich stelle wie immer sehr hohe Anforderungen an mich selbst. Solange ich ihn im Trab beim Aussitzen noch behindere, verlange ich keine Seitengänge in der Gangart bzw. nur im Leichttraben. Wir tasten uns phasenweise heran, die Fortschritte sind da. Ich akzeptiere aber keine Beeinträchtigung der Hinterhand oder des Pferderückens aufgrund einer zu steifen Reiterhüfte, die diesen großen Trabschwung nicht komplett durchfedern lässt. Hier arbeite ich mit Sitzlongen, Yoga und der Alexander-Technik. Die Seitengänge auch im Trab einzubauen ist somit eine der Hausaufgaben für die nächsten Monate.
Im Galopp haben wir schon erste Erfahrungen mit Fliegenden Galoppwechseln gemacht, auch dies ist für mich ein neuer Bereich. Baron ist im Galopp sehr talentiert und bot die Wechsel selbstständig an. Diese möchte ich ebenfalls die nächsten Monate ausbauen, ebenso die Galopparbeit an sich. Überprüfung für mich ist hierbei auch wieder die Anlehnung, immer wieder arbeite ich am Geraderichten und einem Sich-zur-Hand-strecken auch im Galopp, damit ich auf der festen/linken Seite auch eine feine Anlehnung am äußeren Zügel habe wie rechte Hand. Dies gelingt immer öfter, aber es gibt noch einen feinen Unterschied, die geraderichtende Arbeit ist nie beendet.
Weiterhin reite ich Baron mit einer simplen Wassertrense. Er ist sehr, sehr fein im Maul, reagiert sensibel und bringt sowohl durch seinen Charakter als auch durch sein Exterieur die besten Voraussetzungen mit. Eine Reiten auf Kandare ist für die nächste Zeit absolut nicht geplant, da für die weiterführende Ausbildung derzeit nicht notwendig. Erst, wenn ich durch den Sitz mein Pferd zurücknehmen kann, werde ich über eine Verwendung einer Kandare nachdenken. Davor steht aber noch einiges an reeller Ausbildung.
Natürlich habe ich mir für 2010 einiges vorgenommen, aber vor allem möchte ich weiterhin mit Spaß und Freude mein Pferd ausbilden, mit einem Lachen in den Sattel zu steigen und die gemeinsame Zeit genießen.