Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Antoine de Saint-Exupery

Nun sind die Jahre irgendwie verflogen, Baron wird im Juli 2010 acht Jahre alt und auch ich kann nicht mehr leugnen, dass der Kerl nun doch - fast unbemerkt - erwachsen geworden ist. Seine Präsenz und Ausstrahlung haben sich noch einmal erhöht, auch ist das Wachstum großteils abgeschlossen und er strahlt eine innere Ruhe aus, die mich täglich auf's Neue fasziniert.

So kam Baron 2005 zu mir:

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Und hat sich heute zu einem stattlichem Pferd zusammengewachsen:

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Nach wie vor Herdenchef über seine Damen und Hafi-Kumpel Lion regiert er mit strenger Hand und viel Nachsicht. Dieses Pferd ohne seine Herde und bis zu 24 h Koppelgang auf großen Weiden kann und möchte ich  mir gar nicht vorstellen, er zeigt sehr deutlich: "Hier gehöre ich hin!"

Auch wenn ich schon fast daran verzweifelt wäre, aus Baron ist still und heimlich ein Reitpferd geworden. Endlich möglich gemacht hat das ein passender Sattel, der mit viel Fachwissen auf mein Pferd angefertigt wurde. Baron läuft mit diesem Sattel mehr als genial und wir genießen derzeit jede freie Minute im Sattel. Ein passender Sattel ersetzt nicht das korrekte Reiten, aber ohne passenden Sattel ist es eine Ausbildung auf Kosten des Pferdes.

Trotz der langen Vorbereitungsphase auf den Ausbildungsschwerpunkt unter dem Sattel bereue ich keine der Phasen an der Hand, an der Longe, das Stangentraining oder die langen Spaziergänge bergauf und bergab für den Muskelaufbau. Alle Phasen waren Teil unseres Trainings und haben dazu beigetragen, dass wir heute da sind, wo wir sind. Nämlich mitten in der Reitausbildung mit täglich neuen Fortschritten. Mit einem 150 % fitten Pferd, das muskulär und mental bestens vorbereitet wurde. Und das freudig und voller Motivation täglich im Training mitmacht.

Erst jetzt - nach Jahren der Begleitung eines rohen Jungpferdes bis zum achtjährigen Halbstarken - sehe ich die immense Entwicklung, das körperliche Wachstum, die Veränderung im Rücken, der massive Muskelaufbau. Aber vor allem hat sich die geistige Reife mit zunehmendem Training, abgestimmt auf das Alter, ausgebildet. So wurde Baron peu à peu an seine Leistungsgrenzen herangeführt und wurde somit immer belastbarer.

Es gab natürlich auf unserem Weg immer wieder Kommentare von Menschen, die sich daran stießen, dass wir uns wirklich Zeit ließen. Wieviele reden davon, alle Zeit der Welt bei der Ausbildung zu haben, aber sie geben den Pferden die Zeit dennoch nicht? Davon habe ich mich nie beirren lassen, mein Motto war und ist immer:

Das Pferd gibt die Zeit vor!

Sich Zeit lassen bedeutet mitnichten, schludernd und ohne Konzept zu arbeiten. Aber für mich ist der wichtigste Aspekt in der Ausbildung meines Pferdes, dass ich auf mein Pferd höre und seine Rückmeldung auch ernst nehme.

In manchen Phasen schneller vorangehen, in anderen auch mal eine Pause einlegen oder den Schwerpunkt bewusst auf zB Stangentraining zu setzen, somit waren kontinuierliche Fortschritte möglich.

Auch ist mir die Tagesverfassung meines Pferdes wichtig. Ebenso wie ich einen schlechten Tag haben kann und darf, gestehe ich dies meinem Pferd zu. Anforderungen werden heruntergeschraubt, ein bißchen klappt immer, das lobenswert ist!

Das Lob ist mir durch dieses Pferd erst so richtig bewusst geworden. Wie extrem dieses Pferd - von mir von Anfang an gefördert - auf Stimmlob reagiert, fasziniert mich immer wieder. Die positive Rückmeldung ist für mich ebenso wichtig wie die korrekte Ausführung einer Lektion.

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Die Lektionen sind für mich - im Gegensatz zu früher mit anderen Pferden - sehr in den Hintergrund gerückt. Sicher erfreue ich  mich zB über einen gelungenen Renvers, aber viel wichtiger ist für mich die Arbeitsatmosphäre geworden, die beidseitige Motivation, die Harmonie - eben das gewisse "Etwas".

Dies beginnt bereits im alltäglichen Umgang, nicht erst im Sattel. Die Beziehung zwischen Baron und mir ist von einer Intensität geprägt, die ich vorher nicht kannte, aber nicht mehr missen möchte.

Das Hauptziel ist für mich, das Pferd konstant vor den Schenkel und an das Gebiss zu bekommen!

Mein Pferd bietet sehr viel von selbst an, die Verantwortung liegt beim Reiter, hier mit Selbstdisziplin nicht alles immer sofort anzunehmen. Gerade ein Pferd wie Baron, das sich durch seinen Eifer und seinen übergroßen Willen zur Mitarbeit sehr leicht selbst unter Stress setzt, ist es wichtig, ihm durch Routine und konsequente Arbeit Vertrauen zu geben. Würde ich Baron zu schnell vor allem in versammelnden und versammelten Lektionen ausbilden, wäre er körperlich dazu in der Lage, auch die Kraft in der Hinterhand ist vorhanden, aber mental wäre er definitiv überfordert. Deshalb arbeite ich ihn altersgerecht und nehme versammelnde Bewegungsabfolgen spielerisch an der Hand gerne an, erhält es doch die Motivation, aber die Basics und immer wieder die Basics geben solchen Pferden psychische Sicherheit.

Unmerklich führe ich Baron im täglichen Training an seine Leistungsgrenze und somit sind Fortschritte stressfrei möglich.

Diesen Arbeitseifer gilt es zu erhalten, er wird mir in Zukunft noch mehr Freude bereiten. Aber die Zeit gibt das Pferd vor. Ich bin mehr als zufrieden mit dem derzeitigen Ausbildungsstand von Baron.

 



(c) Schoeppl.info - Last modified: 29.04.2010