Am 20. Dezember bekam ich mein frühzeitiges Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk gleichzeitig. Sebastian Görlich vom Team Zentaurus kam zu einer ersten Reitstunde im heimischen Stall vorbei. Trotz Schneefahrbahn kämpfte er sich zu unseren Stall hinauf.
Ich hatte Baron schon einige Zeit vorher gut aufgewärmt, durch die extreme Kälte war es zwar schwieriger, aber das nehme ich gerne in Kauf, wenn ich dafür eine Reitstunde vor Ort bekomme.
Zuerst musste ich im Schritt ganze Bahn und Volten gehen, gebogen - geradegerichtet. Ebenso Mittellinie. Das sind simple Übungen, die ich gerne "vergesse", weil man als Reiter sofort sieht, wo es hakt. Mein Pferd hielt mir auch wieder sofort den Spiegel vor. War er vor Sebastians Eintreffen im Schritt noch gelöst und schritt frei vor sich hin, begann er doch wieder minimal zu klemmen. Angenehm ist dieses sofortige Anzeigen reiterlicher Schwächen nicht wirklich, aber so muss ich mich immer wieder an meiner eigenen Nase packen. Ich reite doch noch zu sehr für Zuschauer oder eben meinen Trainer. Aber wie sagt man? Man wächst an seinen Aufgaben.
Im Schulterherein hatte ich in im Training zu wenig abgestellt, dies wurde von Sebastian korrigiert und mit mehr Abstellung und je nach Seite und Händigkeit auch mehr Biegung fühlte es sich auch gleich noch besser an. Travers klappt schon gut, das Konstante fehlt uns hier, wobei das Klemmen zu 100 % auf mich zurückzuführen ist. Schummeln gibt es bei diesem Pferd nicht. Ich sehe das durchaus positiv.
Im Trab und auch teilweise im Galopp habe ich mich zu sehr geschont, da ich das Vorwärtsreiten in letzter Zeit doch immer wieder für einige Einheiten vernachlässigte. Dabei fühlt sich dieser "langsame" Trab oder Galopp doch so gut an. Ich verstehe es gut, dass sich hier viele Reiter blenden lassen, die Versuchung ist groß. Sebastian sprach aber große Worte gelassen aus: "Verkürzen auf jeden Fall, von hinten nach vorne, aber Du musst daraus wieder nach vorne zulegen können, sonst war das nichts." Hier einmal ein großes Lob an Sebastian von Zentaurus, solch einen kritischen Trainer habe ich lange Zeit gesucht. Der seine Arbeit am Schüler und auch an sich selbst immer wieder hinterfragt.
Sitzlongen wurden mir an's Herz gelegt, damit meine Hüfte den großen Galoppsprung auch mitmachen kann. Aber da rennt Sebastian bei mir eine offene Tür ein, Sitzlongen möchte ich schon so lange, das werde ich jetzt realisieren.
Trab-Galopp-Übergänge gelangen relativ gut, Hauptaugenmerk bei der Einheit war die Aktivierung der Hinterhand. Dies war mir selbst bewusst, dass es verbesserungswürdig ist. Ich bekam viele gute Tipps für die praktische Arbeit speziell auf Baron und mich zugeschnitten. Aus dem flotten Vorwärts verkürzen und dann gut untertreiben. Es muss auch möglich sein, korrekt aus einem flotten Trab anzugaloppieren. Viele Reiter können gut aus dem Schritt angaloppieren, aber es muss beides möglich sein.
Das ist nicht wirklich neu für uns, aber wenn man immer alleine vor sich hinarbeitet, verliert man ab und zu den Blick für das Wesentliche. Für mich ein Grund, wieder mehr Struktur in meine Arbeit mit Baron zu bringen.
Für das Schenkelweichen im Schritt und besonders im Trab bekamen wir einen super Tipp, damit ich besser von der Bande wegkomme. Auf der Mittellinie mit dem Schenkelweichen beginnen. So klebt Baron nicht an der Bande und ich kann jederzeit, wenn er klemmen sollte, nach vorne wegreiten. Auch etwas, was ich schon x mal in guter Literatur gelesen habe, aber ein Trainer ist ja genau dafür da, wenn der Reiter den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.
Wir haben sehr viele Hausaufgaben bekommen, die ich motiviert anpacken werde. Denn regelmäßiger Input und auch Rückmeldung erleichtern die Ausbildung eines Pferdes doch sehr. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass sich Sebastian schon im Jänner erneut auf den Weg zu uns machen wird. Bis dahin werden wir fleißig üben.