Es herbstelt!


September 2009 - Baron: 7 Jahre, 2 Monate

Nach dem trainingsreichem Sommer genieße ich die letzten warmen Spätsommertage, aber der Herbst steht vor der Tür.

Baron hat sich muskulär nochmals sehr zum Positiven verändert, der Sattel tut uns beiden sichtlich gut. Der Rücken ist nach jedem Reiten wunderbar, die Wirbelsäule eingepackt in Muskulatur. Im Trapezmuskelbereich hat sich die Muskulatur noch mehr ausgebildet, die gesamte Schulter ist eingepackt ohne diese berühmten Dellen, die man bei sehr vielen Pferden leider sieht. Der Zuwachs ist mess- und fühlbar. Auch hat sich aufgrund des Trainings die Bauchmuskulatur sehr gestärkt und der Rücken hat sich insgesamt gehoben. Dies ist für mich der wichtigste Aspekt im Training, damit mein Pferd mich gut tragen kann. Auch ist dies die Voraussetzung für eine gute Nierenpartie, da hier die Kraftübertragung von Hinterhand auf Rücken nach vorne passiert. Ist diese Partie abgesenkt, bleibt eine noch so aktive Hinterhand hinter dem Sattel "stecken". Deshalb ist die Vorarbeit immens wichtig für die weiterführende Ausbildung.

Das Training fällt uns beiden nach gut 3 Monaten kontinuierlichem Reiten um ein vieles leichter, die Kondition von Reiter und Pferd hat sich verbessert. Ich betreibe auch bewusst Ausgleichssport, somit werde ich beweglicher und im Sattel zählt jedes Kilo. ;)

Immer noch beginne ich mit ein paar Minuten lösender Arbeit an der Hand. Ich lasse Baron an der Hand auf einer kleinen Volte übertreten, dies lockert besonders die Lendenpartie. Je nach Schiefe verlange ich rechte Hand fast keine Biegung, linke Hand dafür relativ wenig übertreten, aber viel Biegung. Somit kommt das Pferd gut von der linken Schulter weg.

Unter dem Sattel drehen wir einige Runden am  hingegebenem Zügel, bevor wir Ganze Bahn gehen. in jeder Ecke baue ich eine Volte ein, versuche jede Volte so genau als möglich zu reiten, dabei nur "zu fühlen" - sprich, so wenig Hilfen wie nötig, zentriert sitzen und einfach mitgehen. Mein  Blick wandert vor das Pferd auf die Voltenlinie, die ich beschreiten möchte, dabei dreht sich mein Körper mit, diese Hilfe genügt dem Pferd zum Biegen. Ich konzentriere mich auf ein lockeres Becken, damit ich die Bewegung durchlasse.

Besonders wichtig bei diesen Volten ist mir die Exaktheit, sie sollen rund werden, ich komme dort an, wo ich abwende und ich versuche, mein Pferd von Anfang an vom inneren Schenkel an den äußeren Zügel zu reiten. Diese Volten geben mir Ausschluss darüber, welche Tagesverfassung mein Pferd heute hat und wo ich heute ansetze.

Je nachdem variiere ich die Einheit, verlange einmal mehr Impuls auf Schenkelhilfen und reite generell mehr vorwärts mit vielen Übergänge und weiten Biegungen. Oder ich arbeite mehr an der Biegung, mehr in den Seitengängen, baue auch hier Übergänge ein, aber eher im kleinem Rahmen. Dies ist aber nur möglich, wenn ich vorher abgefragt habe, ob mein Pferd VOR den Hilfen ist. Es ist sinnlos, ein Pferd in verkürztem Tempo zu arbeiten, wenn es hinter dem Schenkel und hinter dem Gebiss ist. Ich reite mein Pferd von hinten nach vorne.

Derzeit lege ich sehr oft den Schwerpunkt auf die Galopparbeit. Dies ist einfach Baron's Gangart, die Geschmeidigkeit im Galopp gibt dem Trab sehr viel und vor allem löst er sich wunderbar beim leichten Abgaloppieren.

Auch Übergänge aus dem Schritt in den Galopp und neuerdings auch aus dem Galopp zurück in den Schritt sind gut abrufbar und er setzt sich gut dabei.

Der Rücken kommt durch das frühe Abgaloppieren besser als bei lösender Schrittarbeit. Dies variiert natürlich von Pferd zu Pferd. Mittlerweile lädt mich Baron immer früher ein, zu sitzen. Anfangs entlaste ich aber immer noch einige Zeit, bis ich spüre, dass der Rücken "kommt". Beim Aussitzen ist somit auch mein Oberkörper ruhiger und ich kann immer öfter und über längere Zeit aufrecht einsitzen. Doch sobald der Rücken - aus welchen Gründen auch immer, dies kann auch ein kurzes Erschrecken sein - "weg" ist, gehe ich in den Entlastungssitz über und hole mir den Rücken wieder.

Auf diese Art geht  mein Pferd mittlerweile mit einem schönen Spannungsbogen von der Hinterhand über den Rücken in die Hand und besonders der Trab - der anfangs nicht sehr bequem war - fühlt sich an wie reiten auf Watte. Es gibt keine bessere Bestätigung für die Ausbildung eines Pferdes, wenn es bequem wird. Ohne langsam zu werden.



(c) Schoeppl.info - Last modified: 07.10.2009