
In der heutigen Zeit steht vielen Reitern eine Fülle an Möglichkeiten offen. Ein fast unüberschaubares Angebot an Kursen, Turnieren, Seminaren und Trainern aller Sparten des Pferdesportes.
Gerade die klassische Reitkunst, die Orientierung an den alten Reitmeistern, boomt derzeit. Man findet sehr gute Trainer und hochwertige Literatur, sowohl antiquarisch als auch neu herausgegeben.
Einerseits begrüße ich diese Entwicklung, sie ermöglichte auch mir den Einstieg. Doch dieser Boom treibt auch Blüten, die entgegen der pferdegerechten Ausbildung gehen.
Es mag das Hauptziel die Versammlungsfähigkeit des Pferdes sein, sie zu stärken, ist auch mein Ziel. Doch darf darüber hinaus nicht vergessen werden, dass Versammlung nur im Vorwärts reell entsteht.
Ein Pferd, das zwar piaffiert, aber dafür von drei Grundgangarten zwei verloren hat – welchen Sinn soll diese Arbeit für das Pferd haben?
Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur!
Das sollte man sich immer vor Augen halten, auch wenn die Versuchung groß ist, zu früh die Kandare einzuschnallen, zu früh versuchen zu versammeln – wenn es dann nur langsam ist….
Das Pferd gibt den Weg vor und der geht nur nach vorne. Ziel für mich ist es, dass das Pferd vom Boden aus in allen Grundgangarten ausbalanciert ist und sich im Gleichgewicht befindet.
Dann kommt der Reiter dazu und diese beiden Körper sollen zu einer Einheit verschmelzen, dieselbe Geschmeidigkeit und Balance, die ich vorher vom Boden aus gefordert habe/das Pferd angeboten hat, will ich jetzt mit Reiter enstehen lassen.
Nur dann kann es Reitkunst geben!
Egal, was ich mache, ich hinterfrage mich. Bei jeder Hilfe, bei jeder Korrektur. In Schönheit sterben ist ein geflügeltes Wort geworden…aber es ist nicht von Dauer, sich selbst zu belügen.
Die Zeit bei seinem Pferd und vor allem mit seinem Pferd gut verbringen - das sollte das Ziel aller Reiter sein.
Der reelle Weg ist sicher der längere und schwierigere, aber ich bin der Meinung, es ist der "intensivere" Weg.