Kursbericht


 

 

Zum zweiten Mal machten wir uns auf den Weg zum Intensivtraining bei Sebastian Görlich in Steyr. Wir hatten fleißig trainiert und so war ich schon sehr gespannt, was Sebastian zu Baron und mir sagen würde.

 

Meine Trainerin Michi Erhardt war so nett und hat uns am Donnerstag Abend mit ihrem nagelneuen Hänger zu Zentaurus gefahren. Ich möchte hier betonen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Trainer seine Schülerin zu einem Kurs bei einem anderen Trainer fährt und generell so weit über den Tellerrand hinausschaut. Aber genau dies macht die Qualität von Michi Erhardt aus, sie beschränkt sich nicht auf eine Reitweise, sie unterrichtet für das Pferd und hat auch kein Problem mit anderen Trainern. Das ist leider nicht sehr oft anzutreffen in der Reiterwelt.

 

Baron war schon viel ruhiger als beim letzten Mal, natürlich musste er schon sagen, dass er jetzt „da“ ist, aber auch am nächsten Tag war er beim Ablongieren in der Halle relativ ruhig und konzentriert.

 

Leider war es die ersten zwei Tage brütend heiß und die Bremsen in der Halle sehr angriffslustig. Trotzdem absolvierten wir am Freitag unsere erste Einheit und ich war mehr als zufrieden. Das Klemmige haben wir gut beseitigt, hier hakt es noch im Galopp, generell musste ich Baron immer wieder fleißig nach vorne reiten. Meinem Pferd hat das wohl gefallen, der gab in der 20 x 60 Halle ziemlich Gas, da kann eine Diagonale ziemlich lang werden. Im Galopp muss ich über meinen Schatten springen, damit Baron wirklich durchgaloppiert. Er galoppiert optisch gut, aber der Rücken muss mehr arbeiten, mehr unterspringen, mehr Vorwärts. Dies wird eine Hausaufgabe für’s nächste Mal.

 

Am Samstag wurde die Reiteinheit auf Video aufgenommen und danach gemeinsam analysiert. Dies ist sehr lehrreich, ich nehme mir vor, mich auch daheim regelmäßig filmen zu lassen.. Das Einknicken in der linken Hüfte ist endlich besser geworden, daran arbeite ich schon relativ lange. Im Schritt muss ich ruhiger sitzen, meine Sitzfehler werden korrigiert und ich versuche, die Korrekturen so gut als möglich umzusetzen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit mir selbst immer am wenigsten Geduld habe. ;)

 

An diesem Wochenende begannen wir mit den ersten Seitengängen. Die Seitengänge hatte ich zu Hause noch nicht im Programm, nur ab und zu ein wenig Konter-Schulterherein. Vor dem Seitwärts war mir wichtig, dass das Vorwärts und die Schenkelakzeptanz gefestigt sind, reel am Zügel und vor dem Schenkel.

 

Baron ist gut bemuskelt und das Vorwärts installiert, somit begannen wir mit Sebastian mit Konter-SH und erstmalig Schenkelweichen. Hier bekamen wir dann gleich eine Kopfaufgabe in Form einer Acht mit Schenkelweichen, Konter-SH und SH, ohne Umstellen. Nachdem ich den Knoten in meinem Kopf gelöst hatte, klappte das schon ganz leidlich. Diese Lektionenabfolge macht das Pferd aber sehr locker und vor allem lernt es die Akzeptanz des seitwärtsweisenden Schenkels.

 

Generell kennt Baron die Seitengänge seit 2,5 Jahren an der Hand, hier geht er sie sehr flüssig. Diese Vorarbeit merkt man definitiv unter dem Sattel, die Bewegungsrichtung und Biegung sind ihm bekannt, die Hilfengebung ebenso. Auch am Schulterherein üben wir uns, für mich ist es schön zu spüren, wie ich Baron in der Schulter und in der Hinterhand dirigieren kann. Im Schulterherein fehlt uns noch etwas das Vorwärts, aber für die ersten Schritte waren sie sehr gut.

 

Sebastian bestätigt meine Überlegungen, dass ich Seitengänge immer wieder im Wechsel mit Vorwärts in Arbeitshaltung, Tritte verlängern, wieder einfangen, somit baue ich einen positiven Spannungsbogen aus und die Hinterhandaktivität erhöht sich.

 

Selbstverständlich bekommt Baron immer wieder Pausen am hingegebenen Zügel, hierbei versucht er wieder, sich zu verkriechen. Dies erfordert eine kurzfristige Korrektur mit der hohen Hand, damit er auch am langen Zügel korrekt über den Rücken geht.

 

Generell ist das Aufrollen viel besser geworden, hier steckt eine Menge Arbeit drin. Ich korrigiere hier das Aufrollen nicht vorne mit der Hand, sondern das Aufrollen ist bei Baron immer ein Symptom für eine mangelnde Hinterhandaktivität. Korrigiere ich die Hinterhand und somit die Ursache, biegt er sich korrekt und der falsche Knick ist weg. Aber dieses Verhalten wird uns wohl noch länger begleiten. Pferdeausbildung ist nun mal ein jahrelanger Prozess.

 

Am Sonntag sieht Baron in der Halle nur Gespenster (die Ziegen an der Tür sind wohl zu gefährlich) und somit hatten wir einige Diskussionen, ob wir wirklich bis ganz nach oben gehen müssen oder ob wir die Halle heute auf 5 x 10 m verkleinern. Sebastian hat sich dann auf Baron gesetzt und hat ihm gezeigt, dass die Ziegen keine Frederiksborger fressen. Immer am langen Zügel und vorwärts, immer sofort gelobt. Auf einmal war die ganze Bahn an den Ziegen vorbei kein Thema mehr.

 

Dann ging es an’s Arbeiten und was ich sah, gefiel mir ausnehmend gut. Im Schritt, Trab und Galopp auf den weiten Biegungen der Hufschlagfiguren und im Schritt die ersten Seitengänge, auch Travers ritt Sebastian, obwohl Baron das unter dem Reiter noch nie ging, aber hier sieht man die vorbereitende Arbeit an der Hand.

 

Der Ritt von Sebastian war für mich eine hilfreiche Überprüfung, ob ich auf dem richtigen Weg bin und auch ein kleiner Ausblick in die Zukunft.

 

Ein herzliches Danke an Sebastian Görlich von Zentaurus, wir kommen bald wieder!

 

 



(c) Schoeppl.info - Last modified: 05.08.2008